Grammatik — Vollständige Referenz

Lektionen 01–42 (Schiller, Uni Wien)

Klassisches Tibetisch — Vollständige Referenz

Konsolidiertes Arbeitsdokument auf Basis der Vienna-Schiller-Lektionen 01–42, Hackett (Verb Lexicon), Beyer (The Classical Tibetan Language), Hahn (Lehrbuch), Hill (Lexicon of Verb Stems), Schwieger (Handbuch), Rangjung Yeshe Wiki, THL und 84000.

Stilprinzip: Einfache deutsche Beschreibungen statt Linguisten-Jargon. Kein „Allomorph", „Ergativ", „Postfinalskript". Stattdessen: Schreibvariante, der Handelnde, das letzte Schriftzeichen. Tibetisch bleibt tibetisch (Wylie + Schrift), Erklärungen sind deutsch.


Inhalt

Teil A — Grundlagen

  1. Wie Klassisches Tibetisch funktioniert (in einer Seite)
  2. Die Schrift: Buchstaben, Silben, Lesen
  3. Die acht wichtigsten Partikel

Teil B — Wörter

  1. Wortarten und Wortbildung
  2. Nomen, Adjektive, Pronomen
  3. Zahlen, Datum, Maße

Teil C — Sätze

  1. Satzbau und die sechs Verbgruppen
  2. Kasus: Wer macht was wem?
  3. Die kleinen Wörter zwischen den Wörtern (Postpositionen)

Teil D — Verben

  1. Die vier Stammformen
  2. Wie man Zeit ausdrückt (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft)
  3. Befehle, Wünsche, Verbote, Modalitäten
  4. Hilfsverben und Modalitätsverbkomplexe
  5. Sein, Werden, Existieren (yin, yod, 'dug, 'gyur)
  6. Ehrerbietige und bescheidene Verben
  7. Veranlassen (kausativ)
  8. Verbliste in allen vier Stammformen (~150 Verben, nach Themen sortiert)

Teil E — Komplexe Sätze

  1. Nebensätze und Verbindungspartikel
  2. Vergleich, Steigerung, Komparation
  3. Frage- und Indefinit-Wörter
  4. Direkte und indirekte Rede
  5. Attributsätze und Gliedsätze
  6. Zusammengesetzte Postpositionen
  7. Phrasen als Verbindungen

Teil F — Praxis

  1. Wie man einen Satz in fünf Schritten übersetzt
  2. Die acht Faustregeln zum Erkennen
  3. Häufige Stolpersteine
  4. Position-Slot-Tabellen (Reihenfolge der Anhängsel)

Teil G — Anhänge

  1. Vollständige Partikel-Übersicht (alphabetisch)
  2. Ehrerbietig/bescheiden-Wörterbuch
  3. Online-Ressourcen (geprüft 2026)
  4. Quellen und Literatur


Teil A — Grundlagen

1. Wie Klassisches Tibetisch funktioniert

Der Kerngedanke in einem Satz

Tibetisch hängt kleine Partikel an Wörter an, um zu zeigen, welche Rolle das Wort spielt. Das Verb steht am Ende und ändert seine Form je nach Zeit.

Das ist alles. Wenn du das verstehst, hast du das Fundament.

Die Reihenfolge im Satz

[Wer] [Wem] [Was] [Wo / Wann / Wie] [Verb]

Das Verb steht immer am Ende. Wenn du einen Satz übersetzt: fang beim Verb an und arbeite dich rückwärts.

Die zwei Bausteine

  1. Wörter (Nomen, Verben, Adjektive)
  2. Partikel — kleine Silben, die an Wörter angehängt werden und sagen "dies ist der Handelnde", "dies ist der Ort", "dies gehört zu jenem"

Ein Partikel ist NICHT das Wort selbst. Es ist ein Anhängsel. Wenn du es entfernst, bleibt das nackte Wort übrig.

Beispiel:

  • རྒྱལ་པོ་ (rgyal po) = König
  • རྒྱལ་པོས་ (rgyal pos) = der König (als Handelnder) — das s ist das Anhängsel
  • རྒྱལ་པོའི་ (rgyal po'i) = des Königs — das 'i ist das Anhängsel
  • རྒྱལ་པོ་ལ་ (rgyal po la) = dem König / zum König — la ist das Anhängsel
  • Was Tibetisch NICHT hat

    Diese Konzepte aus europäischen Sprachen existieren nicht und du musst sie nicht suchen:

    • Kein Geschlecht (kein der/die/das)
    • Kein Artikel (kein "ein/eine/das")
    • Keine Verbendungen für Person (kein "ich gehe / du gehst")
    • Kein echtes Passiv ("wird geschlagen") — wird durch Wortstellung ausgedrückt
    • Keine Zeitformen wie im Deutschen — Zeit kommt durch Stammwechsel + Hilfsverben
    • Kein bestimmter Plural-Pflichtmarker — Plural ist optional und wird nur markiert, wenn er wichtig ist

    2. Die Schrift: Buchstaben, Silben, Lesen

    2.1 Die 30 Grundbuchstaben

    1. Spalte2. Spalte3. Spalte4. Spalte
    I. Reiheཀ kaཁ khaག gaང nga
    II. Reiheཅ caཆ chaཇ jaཉ nya
    III. Reiheཏ taཐ thaད daན na
    IV. Reiheཔ paཕ phaབ baམ ma
    V. Reiheཙ tsaཚ tshaཛ dzaཝ wa
    VI. Reiheཞ zhaཟ zaའ 'aཡ ya
    VII. Reiheར raལ laཤ shaས sa
    VIII. Reiheཧ haཨ a

    Praxistipp: Jeder Buchstabe trägt einen eingebauten a-Vokal. Andere Vokale (i, u, e, o) werden als Zeichen über/unter den Buchstaben geschrieben.

    2.2 Die vier Vokalzeichen

    VokalZeichenBeispielTibetischer Name
    a(eingebaut)ཀ ka(kein eigener Name — Grundvokal)
    i◌ི (über)ཀི kiགི་གུ་ (gi gu)
    u◌ུ (unter)ཀུ kuཞབས་ཀྱུ་ (zhabs kyu)
    e◌ེ (über)ཀེ keའགྲེང་བུ་ ('greng bu)
    o◌ོ (über)ཀོ koན་རོ་ (na ro)

    2.3 Wie eine Silbe gebaut ist

    Eine tibetische Silbe hat bis zu sieben Positionen:

       [2 Über]
    [1 Vor] [3 Hauptbuchstabe] [6 Nach] [7 Nach-Nach]
       [4 Unter]
       [5 Vokal]
    PositionWas steht hier
    1 — Vorg, d, b, m, ' (5 mögliche)
    2 — Überr, l, s (3 mögliche)
    3 — Hauptbuchstabejeder der 30
    4 — Unterw, y, r, l (4 mögliche)
    5 — Vokala (eingebaut) oder i, u, e, o
    6 — Nachg, ng, d, n, b, m, ', r, l, s (10 mögliche)
    7 — Nach-Nachs (klassisch) oder d (alttibetisch — sehr selten)

    2.4 Faustregel: Welcher Buchstabe ist der Hauptbuchstabe?

    Wenn du eine Silbe nur mit dem eingebauten a-Vokal siehst (kein Vokalzeichen, kein Über-/Unterbuchstabe):

    Anzahl BuchstabenHauptbuchstabe ist
    2der erste
    3hängt vom letzten ab — meist der mittlere
    4immer der **zweite**

    Wenn die Silbe ein Vokalzeichen, einen Über- oder Unterbuchstaben hat → der Hauptbuchstabe ist der, an dem das Zeichen sitzt.

    2.5 Wichtige Lesezeichen

    ZeichenNameBedeutung
    tshegTrennpunkt zwischen Silben (kein Leerzeichen!)
    །​shadSatzschluss (wie ein Punkt)
    nyis shaddoppelter Trennstrich (Absatzende)
    ༄༅yig mgoTextanfang

    2.6 Was du für klassische Texte NICHT brauchst

    Du kannst getrost wegblenden:

    • Lhasa-Aussprache und Töne — irrelevant für Lesen klassischer Texte
    • Sandhi-Regeln (Lautveränderungen in Mehrsilbern) — kommen mit Übung von selbst
    • Phonetik-Tabellen mit Velar/Palatal/Plosiv etc. — Linguisten-Sprache, brauchst du nicht
    • Postfinal-d (da drag) — fast nur in Alttibetisch wichtig

    3. Die acht wichtigsten Partikel

    90% aller Sätze kommen mit diesen acht Partikeln aus. Diese musst du sicher erkennen.

    #PartikelBedeutungFrage, die es beantwortet
    1**(nichts)**das Wort steht für sichwer ist es? was wird getan?
    2**kyis** (auch: gis, gyis, -s, yis)der Handelndewer tut es?
    3**kyi** (auch: gi, gyi, -'i, yi)gehört zuwessen?
    4**la**zu, an, für, demwem? wohin? wo?
    5**na**in, an, wennwo? wann?
    6**nas**aus, von, seitwoher? seit wann?
    7**las**aus, als (Vergleich)woher? als wer/was?
    8**tu / du / r / su / ru**nach, in, alswohin? in welcher Form?

    Warum so viele Schreibweisen für ein Partikel?

    Tibetisch passt das Partikel an den letzten Buchstaben des vorhergehenden Wortes an. Das ist eine reine Aussprache-Sache. Wenn das Wort z.B. auf g endet, wird aus kyi ein gi. Die Bedeutung bleibt gleich. Du musst nur erkennen, dass alle diese Formen dasselbe Partikel sind.

    Die zwei wichtigsten unterscheiden

    kyi (Zugehörigkeit) vs. kyis (Handelnder) sind die zwei häufigsten und am leichtesten zu verwechseln. Den Unterschied macht nur das s am Ende:

    • endet das Anhängsel auf -i → "gehört zu" (kyi-Familie)
    • endet das Anhängsel auf -is oder -s → "der Handelnde" (kyis-Familie)


    Teil B — Wörter

    4. Wortarten und Wortbildung

    4.1 Die zehn Wortarten

    1. Verb — die Handlung; steht am Satzende
    2. Substantiv (Nomen) — Personen, Dinge, Konzepte
    3. Adjektiv — Eigenschaften (umfasst auch Zahlwörter)
    4. Demonstrativpronomen — dieser/jener (འདི་ 'di / དེ་ de)
    5. Personalpronomen — ich/du/er/sie
    6. Adverb — Zeit, Art und Weise (jetzt, sehr, schnell)
    7. Partikel — die kleinen Anhängsel
    8. Postposition — kleine Wörter NACH einem Nomen, die Ort/Zeit/Grund angeben
    9. Konjunktion — Verbindungswörter (und, oder)
    10. Interjektion — Ausrufe

    4.2 Wortbildung durch Anhängsel

    Tibetisch bildet komplexe Wörter, indem es mehrere Anhängsel hintereinander an einen Wortstamm hängt.

    Reihenfolge der Anhängsel an einem Nomen:

    [Stamm] + [Ableitung] + [Plural] + [„ein"-Marker] + [Kasus / Postposition]

    Beispiele:

    • བླ་མ་རྣམས་ཀྱི་ (bla ma rnams kyi) — „der Lamas" (Stamm + Plural + Zugehörigkeit)
    • ཆོས་པ་ཞིག་ལ་ (chos pa zhig la) — „einem Praktizierenden" (Stamm + Personenmacher + „ein" + la)
    • 4.3 Häufige Ableitungs-Anhängsel

      Diese machen aus einem Wortstamm ein Nomen oder Adjektiv:

      AnhängselSchriftWann es benutzt wirdBeispiel
      -ka / -kha / -gaཀ / ཁ / གbildet Konkretayig ge "Buchstabe"
      -pa / -baཔ / བmacht Personen, Eigenschaften, Verbalnomen; pa nach -n/-s/-d/-b/-r/-m und Postfinal -s; ba nach -ng/-'/-l/Vokalbyed pa "das Tun"; bla ma pa "der Lama-zugehörige"
      -po / -boཔོ / བོmacht Adjektive maskulin oder Eigennamenchen po "groß", rgyal po "König"
      -moམོmacht Adjektive feminin oder weibliche Wesendkar mo "die Weiße"
      -buབུVerkleinerung oder männlichbu "Sohn", rta'u "Fohlen"
      -maweibliche Wesen, Abstraktaa ma "Mutter"
      -nyidཉིདmacht Abstrakta („-heit")stong pa nyid "Leerheit"
      -mkhanམཁན„derjenige der …"bshad mkhan "der Erklärende"
      -canཅན„mit … versehen"shes rab can "weisheitsversehen"
      -tshadཚདGesamtheityod tshad "alles was vorhanden ist"

      4.4 Wortzusammensetzung

      Tibetisch baut häufig längere Wörter aus zwei kürzeren:

      • Bestimmungs-Zusammensetzung (das erste Wort näher beschreibend): rgyal khrims „Königsgesetz", yi ge mkhan „Schreiber"
      • Aufzählungs-Zusammensetzung (zwei gleichwertige Wörter): pha ma „Eltern" (Vater+Mutter), nyin mtshan „Tag-und-Nacht"

      4.5 Vorsilben für Verneinung

      Vor einem Wortstamm:

      VorsilbeSchriftVerwendung
      མི་ miམིGegenwart und Zukunft (mi byed „tut nicht")
      མ་ maVergangenheit und Verbot (ma byas „hat nicht getan", ma byed „tu nicht!")

      Bei abgeleiteten Wörtern: mi rtag pa „das Nicht-Beständige" (= Vergänglichkeit).


      5. Nomen, Adjektive, Pronomen

      5.1 Reihenfolge im Nomen-Komplex

      Wenn ein Nomen mit Adjektiven, Demonstrativen, Plural usw. ausgeschmückt wird, ist die Reihenfolge fest:

      [Substantiv] [Adjektiv] [Partizip-Attribut] [dieser/jener] [Maß/Menge] [Plural / Einzahl] [„ein"-Marker]  + Kasus/Postposition

      Beispiel:

      mi mkhas pa de dag rnams kyis — "von diesen Gelehrten"

      • mi = Mensch
      • mkhas pa = gelehrt
      • de = jener
      • dag rnams = Plural-Marker
      • kyis = der Handelnde

      5.2 Plural-Marker

      Plural ist optional im Tibetischen. Er wird nur markiert, wenn er wichtig ist.

      MarkerSchriftVerwendung
      རྣམས་ rnamsརྣམསallgemein, häufigster
      དག་ dagདགallgemein, oft Gruppe
      ཚོ་ tshoཚོumgangssprachlich, auch bei Zahlen
      ཅག་ cagཅགnur 1. Person Plural („wir") — bdag cag

      Kombinationen sind möglich: dag rnams, cag rnams.

      5.3 Demonstrativpronomen

      TibetischWylieBedeutung
      འདི་'didieser (näher)
      དེ་dejener (entfernter), oft auch „der"

      Praxistipp: de wird sehr häufig als rückweisendes „dieser/der" benutzt — fast wie ein Artikel.

      5.4 Personalpronomen

      Form1. Person2. Person3. Person
      neutralང་ nga (ich)ཁྱོད་ khyod (du)ཁོ་ kho (er); མོ་ mo (sie)
      respektvoll(nicht üblich)ཁྱེད་ khyed (Sie)ཁོང་ khong (er/sie respektvoll)
      bescheiden / elegantབདག་ bdag (ich)

      Plurale entstehen durch Anhängen: nga cag „wir", khyed rnams „ihr".

      5.5 „Ein, irgendein" — der Indefinit-Marker

      FormWann
      ཅིག་ cignach -g, -d, -b, Postfinal-d
      ཞིག་ zhignach -ng, -n, -m, -', -r, -l und Vokal
      ཤིག་ shignach -s

      Steht direkt nach dem Nomen, vor weiteren Anhängseln.

      5.6 Indefinit-Wörter

      BedeutungTibetisch
      allethams cad, kun, mtha' dag, ma lus pa, tshang ma
      einige'ga', kha cig, 'ga' shas, kha shas, la la
      vielemang po, du ma, mang du
      jederre, re re
      einzelneso so

      6. Zahlen, Datum, Maße

      6.1 Grundzahlen 1–10

      DeutschWylieSchrift
      einsgcig
      zweignyis
      dreigsum
      vierbzhi
      fünflnga
      sechsdrug
      siebenbdun
      achtbrgyad
      neundgu
      zehnbcu༡༠

      6.2 Zehnerpotenzen

      WertWylie
      100brgya
      1.000stong
      10.000khri
      100.000'bum
      1.000.000sa ya
      10.000.000bye ba
      100.000.000dung phyur

      6.3 Zusammengesetzte Zahlen

      • 11–19: bcu + Einer (Sonderfälle: 15 = bco lnga, 18 = bco brgyad)
      • 20–90: nyi shu (20), sum cu (30), bzhi bcu, lnga bcu, drug cu, bdun cu, brgyad cu, dgu bcu
      • 21–99: Zehner + rtsa + Einer (z. B. nyi shu rtsa gcig „21")
      • Auch häufig: Kurzwörter nyer, so, zhe, nga, re, don, gya, go + Einer
      • Hunderter: Einer + brgya (nyis brgya „200", sum brgya „300" …)

      6.4 Ordnungszahlen („der erste, der zweite …")

      Grundzahl + པ་ (-pa). Ausnahme: „der Erste" = དང་པོ་ (dang po).

      6.5 Datum

      Reihenfolge: Jahr (lo) → Monat (zla ba) → Tag (tshes).

      Jahresbezeichnung verwendet das tibetische 60-Jahre-System: Element (me Feuer / sa Erde / lcags Eisen / chu Wasser / shing Holz) + Geschlecht (pho männlich / mo weiblich) + Tier (12-Jahr-Zyklus).

      Tag: tshes + Grundzahl (z. B. tshes bcu „der zehnte").



      Teil C — Sätze

      7. Satzbau und die sechs Verbgruppen

      7.1 Grundwortstellung

      Subjekt — Objekt — Verb

      Klassisches Tibetisch ist eine strikte Verb-am-Ende-Sprache. Das Verb ist immer das letzte sinngebende Wort.

      7.2 Die sechs Verbgruppen

      Tibetische Verben verhalten sich in sechs Mustern. Welche Anhängsel die Subjekte und Objekte tragen, hängt von der Verbgruppe ab.

      Zwei große Klassen:

      • Kontrollierbar (tha dad pa) — der Handelnde tut etwas willentlich; Subjekt mit *kyis*
      • Nicht kontrollierbar (tha mi dad pa) — etwas geschieht oder widerfährt; Subjekt meist ohne *kyis*

      Verbgruppe 1 — Kontrollierbar transitiv (KT)

      Muster: S:Handelnder — [iO:la] — dO:bloß — Verb

      Jemand tut etwas an etwas. Häufigster Typ.

      Beispiel: rgyal pos yi ge bris-so „Der König schrieb einen Brief."

      • rgyal po-s = Handelnder
      • yi ge = Brief (ohne Marker = direktes Objekt)
      • 'bri = schreiben

      Verbgruppe 2 — Kontrollierbar intransitiv mit „schiefem" Objekt (KI+)

      Muster: S:Handelnder — Objekt:la/dang/r — Verb

      Jemand tut etwas, das mit etwas anderem in Bezug steht (aber nicht direkt darauf wirkt).

      Beispiel: bla ma chos dang skad cha byed „Der Lama spricht über die Lehre" (skad cha byed = sprechen)

      Verbgruppe 3 — Kontrollierbar intransitiv: Bewegung/Position

      Muster: S:bloß-oder-Handelnder — Ortsangabe:la/tu/na/nas — Verb

      Bewegungs- und Positionsverben (gehen, kommen, sitzen, ankommen).

      Untergruppen:

      • Position: gnas, sdod, bzhugs („sich aufhalten")
      • Bewegung-Ziel: 'gro, 'ong, slebs, phebs („gehen, kommen")
      • Bewegung-Ursprung: 'byung, 'thon („herauskommen")

      Beispiel: rgyal po grong du 'gro „Der König geht zur Stadt." (grong du = Stadt-zu)

      Verbgruppe 4 — Nicht kontrollierbar transitiv (NKT)

      Muster: S:Handelnder/Erleider — [Quelle:nas/las] — dO:bloß — Verb

      Wahrnehmung, Erkenntnis, unwillkürliches Erlangen.

      Untergruppen:

      • Sinneswahrnehmung: mthong „sehen", thos „hören"
      • Geisteszustände: shes „wissen", rtogs „erkennen"
      • Erlangen: rnyed, thob „erhalten"

      Beispiel: ngas khong mthong „Ich sah ihn." (Erleider trägt -s, das Gesehene ohne Marker)

      Verbgruppe 5 — Nicht kontrollierbar intransitiv mit schiefem Objekt

      Muster: S:bloß — schiefes Objekt:la/tu/dang/las — Verb

      Empfindungen, die mit jemandem/etwas in Bezug stehen.

      Beispiel: nga 'di la dga' „Ich freue mich darüber." (la = das Worüber)

      Verbgruppe 6 — Nicht kontrollierbar intransitiv (einstellig)

      Muster: S:bloß — Verb

      Nur ein Beteiligter, etwas geschieht ihm einfach.

      Beispiel: nga 'jigs „Ich fürchte mich." (kein Handelnder, kein Objekt)

      7.3 Übersicht aller sechs Gruppen

      Kontrollierbar (tha dad pa):

      GruppeTransitivitätMuster
      VG1transitivS:Handelnder — [iO:la] — dO:bloß
      VG2intransitiv mit schiefem Obj.S:Handelnder — Obj:la/dang/r
      VG3Bewegung/PositionS:bloß/Handelnder — Ort:la/tu/na/nas

      Nicht kontrollierbar (tha mi dad pa):

      GruppeTransitivitätMuster
      VG4transitivS:Handelnder/Erleider — [Quelle:nas/las] — dO:bloß
      VG5intransitiv mit schiefem Obj.S:bloß — Obj:la/tu/dang/las
      VG6einstelligS:bloß

      7.4 Drei Arten von Sätzen

      1. Aussagesatz — endet mit Schluss-Marker -'o (oder -go, -do, -no etc. je nach letztem Buchstaben)
      2. Fragesatz — entweder Wortfrage (mit su, ci, gang …) oder Ja/Nein-Frage (Schluss-Marker -'am)
      3. Aufforderungssatz — mit Befehlsform des Verbs + cig / dang / shog

      8. Kasus: Wer macht was wem?

      Tibetisch hat vier Kasus, die durch Anhängsel markiert werden:

      KasusWas er anzeigtAnhängsel
      **bloß**Subjekt eines geschehenden Verbs ODER direktes Objekt(keins)
      **Handelnder**Subjekt eines kontrollierten Tuns-kyis (und Schreibvarianten)
      **la-Marker**indirektes Objekt; Ort; Empfänger; Zweck-la (und Familie tu/du/na/su/r)
      **Zugehörigkeit**„von, des"-kyi (und Schreibvarianten)

      8.1 Der Handelnde-Marker im Detail

      WannSchreibvariante
      nach -g, -ngགིས་ gis
      nach -d, -b, -sཀྱིས་ kyis
      nach -n, -m, -r, -lགྱིས་ gyis
      nach -'°ས་ direkt s angehängt
      nach Vokal°ས་ s direkt; selten ཡིས་ yis

      Drei Funktionen:

      1. Der Handelnde (Agens) — bei kontrollierten Verben: bla mas chos bshad „Der Lehrer erklärt die Lehre."
      2. Werkzeug / Mittel — phyag gyis brdungs „mit der Hand schlug er"
      3. Grund / Begründung (nach Verbalnomen) — 'di byas pas „weil er dies getan hat"

      8.2 Der Zugehörigkeits-Marker im Detail

      WannSchreibvariante
      nach -d, -b, -sཀྱི་ kyi
      nach -g, -ngགི་ gi
      nach -n, -m, -r, -lགྱི་ gyi
      nach -'°འི་ verschmilzt mit dem Wort
      nach Vokal°འི་ direkt; oder ཡི་ yi (poetisch/silbisch)

      Bedeutung: „von, des". Verbindet zwei Nomen zu „A's B".

      Beispiel: rgyal po'i pho brang „der Palast des Königs" (rgyal po + 'i = des Königs)

      8.3 Der la-Marker im Detail

      la selbst ist universal — nach jedem Buchstaben einsetzbar. Es gehört aber zu einer größeren Familie mit ähnlicher Funktion:

      FormWann
      ལ་ launiversal
      ན་ nauniversal („in, bei, wenn")
      ཏུ་ tunach -g, -b, Postfinal-d
      དུ་ dunach -ng, -d, -n, -m, -r, -l
      སུ་ sunach -s
      ར་ -rnach Vokal (verschmilzt)

      Funktionen (alle 7 Formen sind ein Funktionscluster!):

      1. Ort wo / wohin: gnas su 'gro „in den Ort gehen"
      2. Empfänger / indirektes Objekt: bla ma la 'bul „dem Lama darbringen"
      3. Zweck („um zu …"): chos slob tu 'gro „um die Lehre zu lernen, gehen"
      4. Patient bestimmter Verben: dga' la „sich freuen über"
      5. Zeitpunkt: dus de na „zu jener Zeit"
      6. Bedingung („wenn"): yod na „falls vorhanden"
      7. Adverbial-Macher: legs par „in guter Weise" (legs = gut + par = adverbial)

      8.4 Die Herkunfts-Familie: las / nas

      Beide sind universal — keine Schreibvarianten.

      FormBedeutung
      ལས་ las„aus, mehr als (Vergleich), als (was)"; Material; Vergleich
      ནས་ nas„aus, von … weg, seit"; verbindet Verbketten („nachdem … getan habend")

      Faustregel: *las* = Vergleich + Material/Ursprung; *nas* = räumlich/zeitlich „von dort weg" + Verb-Verkettung.


      9. Die kleinen Wörter zwischen den Wörtern (Postpositionen)

      Postpositionen stehen NACH einem Nomen und drücken Ort, Zeit, Grund oder Art aus.

      9.1 Raum

      FunktionPostposition
      Aufenthalt (wo?)tu / du / na / la
      Richtung / Ziel (wohin?)tu / du / la / na
      Herkunft (woher?)nas / las

      9.2 Adverbiale Bestimmungen — Übersicht

      Was sie ausdrücktPostposition
      Grund / Ursachekyis (und Familie)
      Art und Weisekyis / tu
      Mittel / Werkzeugkyis
      Herkunftnas / las
      Grund (kausal)las
      Quelle (Person/Text)nas / las
      Zeitpunkttu / na / la

      9.3 Zusammengesetzte Postpositionen

      Tibetisch baut komplexere Beziehungen aus drei Teilen:

      [Zugehörigkeit -kyi] + [Strukturnomen] + [einfache Postposition]
      WylieSchriftBedeutung
      -kyi sgo nasཀྱི་སྒོ་ནསdurch, mittels
      -kyi ched duཀྱི་ཆེད་དུfür, wegen
      -kyi rgyab tuཀྱི་རྒྱབ་ཏུhinter
      -kyi mdun naཀྱི་མདུན་ནvor
      -kyi nang duཀྱི་ནང་དུinnerhalb
      -kyi bar duཀྱི་བར་དུbis
      -kyi steng duཀྱི་སྟེང་དུauf, oben auf
      -kyi 'og tuཀྱི་འོག་ཏུunter

      9.4 Konjunktionen für Aufzählung

      WylieSchriftBedeutung
      dangདང„und"; auch „mit, zusammen mit"
      'amའམ„oder"
      la sogs paལ་སོགས་པ„und so weiter, etc."

      9.5 Themapartikel: -te / -ste / -de

      Verkettet zwei Verben, oft als sanftes Komma. Schreibvarianten:

      WannSchreibvariante
      nach -g, -b, -ng, -m, -'སྟེ་ ste
      nach -dདེ་ de
      nach -n, -r, -l, -sཏེ་ te
      nach Vokalསྟེ་ ste

      9.6 Hervorhebungs-Partikel

      WylieSchriftBedeutung
      ནི་ niནི„was X betrifft, …" — Themen-Marker, hebt das Vorausgehende hervor
      ཀྱང་ kyang (yang, 'ang)ཀྱང„auch, sogar"; nach Verb: „obwohl"
      ཉིད་ nyidཉིད„selbst, eben dieser"
      ཁོ་ན་ kho naཁོ་ན„nur, ausschließlich"
      ཙམ་ tsamཙམ„nur, etwa, ungefähr"
      གཅིག་པུ་ gcig puགཅིག་པུ„allein, einzig"


      Teil D — Verben

      10. Die vier Stammformen

      Tibetische Verben haben bis zu vier Formen, die Zeit und Modus ausdrücken.

      10.1 Die vier Formen

      FormHauptverwendung
      **1. Form** (Gegenwart)Gegenwart, allgemeine Aussage; auch Wunsch in 1./3. Person; Verbot
      **2. Form** (Vergangenheit)Vergangenheit, Perfekt
      **3. Form** (Zukunft / Sollen)Zukunft; Wunsch in 1. Person; Notwendigkeit/Sollen
      **4. Form** (Befehl)direkter Befehl in 2. Person

      Beispiel für das Verb „machen":

      • byed (1.) = (er) macht / wird machen
      • byas (2.) = (er) machte / hat gemacht
      • bya (3.) = wird/soll machen
      • byos (4.) = mach!

      10.2 Die unbequeme Wahrheit

      Es gibt keine glatte Regel, wie sich die vier Formen voneinander ableiten. Du musst sie für jedes Verb auswendig lernen — wie unregelmäßige Verben im Englischen (go/went/gone). Die Formen stehen in Wörterbüchern.

      Aber:

      • Viele Verben haben nur 1 oder 2 unterschiedliche Formen
      • Etwa 200 Verben decken 95% aller Texte ab
      • Du erkennst die Formen mit etwas Übung an typischen Mustern (Vorbuchstaben-Wechsel, Vokal-Wechsel)

      10.3 Die 13 Verteilungsmuster

      Verben fallen in 13 Muster, je nachdem welche Formen identisch sind. Beispiele:

      Muster1.2.3.4.Beispielverb
      1AAAAyin (alle gleich)
      6ABAAyong, byung
      9ABBAbyed → byas, bya, byos
      13ABCDsgom → bsgoms, bsgom, sgoms (alle 4 verschieden)

      10.4 Verneinung und Stammform

      Welche Verneinung wann verwendet wird:

      VerneinungVor welcher FormBedeutung
      mi1. Form„tut nicht" (Gegenwart)
      mi3. Form„wird nicht tun" (Zukunft)
      ma2. Form„hat nicht getan" (Vergangenheit)
      ma1. Form„tu nicht!" (Verbot)

      11. Wie man Zeit ausdrückt

      Klassisches Tibetisch hat drei Stufen für Vergangenheit (und ähnlich für Gegenwart) — sie unterscheiden sich darin, wie viel der Sprecher weiß und beobachtet.

      11.1 Stufe 1: Einfache Form (häufigste in Erzählungen)

      Die 2. Form allein drückt Vergangenheit aus.

      Bildung: 2. Form (ohne Hilfsverb)

      Verneinung: ma + 2. Form

      Beispiele: shi „starb"; gnang „gab"; bzhengs „errichtete"; byon „reiste"

      Verwendung: Erzählungen, Biographien, Chroniken, Buddhistische Lebensgeschichten. Dies ist die DOMINIERENDE Form in klassischen Texten.

      11.2 Stufe 2: Zusammengesetztes Prädikat

      Hauptverb + Verbindungspartikel + Hilfsverb. Drückt feinere Nuancen aus.

      Hilfsverben

      HilfsverbWas es ausdrückt
      yodGegenwart mit Wissen („ich weiß, dass …")
      'dugGegenwart mit Wahrnehmung („ich sehe, dass …")
      yinFeststellung („es ist so, dass …")
      'gyur / gyurWerden / Vergangenheit
      'ong / yongZukunft I
      **byung****Vergangenheit, dem Subjekt widerfahren** (nicht kontrolliert)
      **song****Vergangenheit, kontrolliert / abgeschlossen**

      Häufige Bildungen

      ZeitBildungBedeutung
      Gegenwart (Wissen)1. Form + kyi + yod„er macht" (ich weiß)
      Gegenwart (Wahrnehmung)1. Form + kyi + 'dug„er macht (ich sehe)"
      Vergangenheit (geschehen)2. Form + byung„es geschah ihm"
      Vergangenheit (kontrolliert)2. Form + song„er tat es absichtlich"
      Zukunft (allgemein)1. Form + 'gyur„wird werden"
      Zukunft (Feststellung)1./3. Form + yin„es wird so sein"

      11.3 Stufe 3: Perfekt, Verlauf, Beendigung

      Perfekt: „ist getan, Resultat zählt"

      Das Perfekt betont das Ergebnis ("ist gestorben" = ist jetzt tot), nicht das Ereignis ("starb").

      BildungWas es ausdrückt
      2. Form + pa + yin / lagsSprecher = Subjekt; allgemeine Feststellung
      2. Form + yod / 'dugWissen / Beobachtung
      2. Form + song / phyinkontrollierte abgeschlossene Handlung
      2. Form + par + gyurZustandswechsel („ist … geworden")

      Verlauf: „ist gerade dabei zu …"

      Bildung
      **1. Form** + cing/kyin + yod / 'dug
      **1. Form** + cing/kyin + bsdad / bzhugs (respektvoll)

      Beispiel: byed cing 'dug — „ist gerade dabei zu tun"

      Beendigung: „hat bereits …"

      Bildung
      2. Form + pa + zin / tshar

      Beispiel: bshad zin — „hat bereits erläutert"

      • zin = vollendet
      • tshar = beendet, fertig

      11.4 Übersicht: Alle Vergangenheitsformen

      FormBildungBedeutung
      Einfach2. Form allein„er tat es" (Erzählung)
      Mit byung2. Form + byung„es widerfuhr ihm"
      Mit song2. Form + song„er tat es absichtlich"
      Perfekt 12. Form + pa + yin/lags„er ist gestorben" (Feststellung)
      Perfekt 22. Form + yod/'dug„er hat geschadet" (Wissen/Beobachtung)
      Perfekt 32. Form + song/phyin„er hat es gelegt" (kontrolliert, resultativ)
      Perfekt 42. Form + par + gyur„er ist … geworden" (Zustandswechsel)
      Verlauf1. Form + cing + Hilfsverb„er war gerade dabei zu …"
      Beendigung2. Form + pa + zin/tshar„er hat bereits …"

      11.5 Verbindungs-Schreibvarianten: -cing

      WannForm
      nach -g, -d, -b, -sཅིང་ cing
      nach -ng, -n, -m, -', -r, -l, Vokalཞིང་ zhing

      12. Befehle, Wünsche, Verbote

      12.1 Befehl (an die 2. Person)

      Vier Bildungen:

      BildungFormBeispiel
      1a4. Form (oder 2. Form) + ཅིག་ cigbyos cig „mach!"
      1b4. Form + དང་ dangbyos dang „mach doch!" (sanft)
      1c4. Form + ཤོག་ shogbyos shog „mögest du machen!" (Wunsch)
      24. Form alleinbyos „mach!"

      Schreibvarianten von cig: wie beim „ein"-Marker (cig / zhig / shig).

      12.2 Verbot (Prohibitiv)

      མ་ ma + 1. Form (oder 2. Form) + cig

      Beispiel: ma byed cig „tu (es) nicht!"

      12.3 Wunsch und Optativ

      BildungBedeutung
      1. Form + gyur cig„möge … werden!"
      1. Form + shog„mögest du …!"
      3. Form + bya„es soll …"

      Beispiel: sangs rgya bar gyur cig — „möge er ein Buddha werden!" (klassische Widmungs-Formel)

      12.4 Aussagesatz-Schluss

      Ein Satz endet oft mit der Schluss-Markierung -'o (oder einer Schreibvariante davon je nach letztem Buchstaben):

      Letzter BuchstabeSchluss-Form
      -gགོ go
      -ngངོ ngo
      -dདོ do
      -nནོ no
      -bབོ bo
      -mམོ mo
      -' / Vokalའོ 'o
      -rརོ ro
      -lལོ lo
      -sསོ so
      Postfinal-dཏོ to

      12.5 Ja/Nein-Frage am Satzende

      Schluss-Markierung -'am, mit denselben Schreibvarianten je nach letztem Buchstaben:

      Letzter BuchstabeFrage-Form
      -gགམ gam
      -ngངམ ngam
      -dདམ dam
      -nནམ nam
      -bབམ bam
      -mམམ mam
      -' / Vokalའམ 'am

      Alternative Frageform: Vorsilbe ཨེ་ e- vor dem Verb. Der Satz endet dann im bloßen Verbstamm.


      13. Hilfsverben und Modalitätsverbkomplexe

      13.1 Aufbau eines Modalverb-Komplexes

      Hauptverb (Stamm + ggf. -pa) + Verbindung (-tu oder -kyis) + Modalverb

      Die Verneinung steht vor dem Modalverb, nicht vor dem Hauptverb.

      13.2 Modalverben, die sich auf das Subjekt beziehen

      WylieVerbindungBedeutungKategorie
      nus pa-tukönnen (Fähigkeit)Fähigkeit
      thub pa-tukönnen (physische Fähigkeit)Fähigkeit
      phod pa-tuwagenFähigkeit
      dgos pamüssen, sollenNotwendigkeit
      'dod pa-tuwollen, wünschenWille
      bzhed pa-tuwollen (respektvoll)Wille
      dgongs pa-tuwollen (respektvoll)Wille

      13.3 Modalverben, die sich auf den Sprecher beziehen

      WylieVerbindungBedeutung
      nges pa-tugewiss sein
      snang ba-tuscheinen
      rigs pa-tuvernünftig sein
      rung ba-tuangemessen sein
      dka' ba-tuschwierig sein
      sla ba-tuleicht sein
      chog pa-kyiserlaubt sein, genügen
      'dra bascheinen wie
      srid pamöglich sein
      ran papassend sein

      13.4 Weitere Modalverben

      WylieVerbindungBedeutung
      chas pa-tubereit sein zu
      zin pa-paabgeschlossen haben
      myong-paje erfahren haben

      13.5 Analytische Modalitäten

      ModalitätBildung
      FeststellungStamm + yin
      Gewissheit1. Form + yod / 'dug
      Relativ sichere Annahmeyin par 'dug / yod par 'dug
      Vermutung2. Form + 'ong / yong
      Wunsch1. Form + gyur cig / shog
      Absicht / Notwendigkeit3. Form + bya
      Nachdrücklichkeityod pa yin; Modalverb + yin

      14. Sein, Werden, Existieren

      14.1 Kopula-Verben (Identifizierung)

      VerbStammformenVerneinungFunktion
      ཡིན་ yinyin / yin / yin / –ma yin / minIdentität: A ist B
      ལགས་ lagslags / lags / lags / –ma lagsrespektvolle Kopula
      འགྱུར་ 'gyur'gyur / gyur / 'gyur / gyurmi 'gyur / ma gyur„werden" (transformativ)

      14.2 Existenz-Verben

      VerbStammformenVerneinungVerwendung
      ཡོད་ yodyod / yod / yod / –medallgemein („es gibt", „hat")
      མཆིས་ mchismchisma mchisbescheiden / elegant
      མངའ་ mnga'mnga'mi mnga'respektvoll („verfügt über")
      འདུག་ 'dug'dugmi 'dugmit Wahrnehmung („ist da, ich sehe")
      གདའ་ gda'gda'mi gda'poetisch / literarisch
      བཞུགས་ bzhugsbzhugsmi/ma bzhugsrespektvoll („weilt")

      14.3 Wann welches Existenz-Verb?

      • yod — neutral, allgemein. Häufigste Form. „Es gibt"; „X hat Y" (X la Y yod).
      • 'dug — wenn der Sprecher etwas selbst wahrnimmt. „Da sitzt jemand, ich sehe ihn."
      • mchis — vor jemandem Höhergestellten, bescheiden über sich selbst sprechend.
      • mnga' — über Buddhas, Bodhisattvas, Lehrer. „Der Buddha verfügt über die zehn Kräfte."
      • bzhugs — über das Verweilen / Sich-Aufhalten von hochgestellten Personen. „Der Lama weilt im Kloster."

      15. Ehrerbietige und bescheidene Verben

      Klassisches Tibetisch hat ein eigenes Ehrerbietigkeits-Wortschatz: für hochgestellte Personen (Buddhas, Lamas, Könige) werden andere Verben verwendet als für gewöhnliche Wesen. Wer von sich selbst gegenüber Höhergestellten spricht, verwendet eine bescheidene Form.

      15.1 Die 12 wichtigsten Verbpaare

      Bedeutungnormalehrerbietigbescheiden
      machen, tunbyed pamdzad pabgyid pa
      sagen, sprechensmra / zer / brjodgsung(s)zhu
      hörennyan / thosgsan
      sehenlta / mthonggzigs
      wissenshes / rtogsmkhyen
      gehen, kommen'gro / 'ongphebs / byon / gshegsmchi
      weilen, seinsdod / yodbzhugsmchis
      sein (Kopula)yin(lags)lags
      habenyodmnga'mchis
      nehmen, ergreifenlen / 'dzinbzhes
      gebenster / sbyingnang / stsol'bul
      essenzagsol (gsol ba)
      trinken'thungmchod
      sich freuendga'dgyes
      denkensems / bsamdgongs
      sterben'chi / shisku gshegs / 'das
      geboren werdenskye'khrungs
      treffen, sehenmthong / mjalgzigs / mjal
      reisen, kommen'grophebs / chibs (am Pferd)

      15.2 Wann welche Form?

      • Du sprichst über einen Lama, Buddha, König, Bodhisattva → ehrerbietige Form
      • Du sprichst von dir selbst zu einem Höhergestellten → bescheidene Form
      • Sonst → normale Form

      16. Veranlassen (kausativ)

      In Klassischem Tibetisch gibt es keine eigene Veranlassungs-Endung. Stattdessen werden drei Strategien benutzt:

      16.1 Strategie A: Lexikalische Paare

      Manche Verben kommen in zwei Versionen, „intransitiv" und „transitiv-veranlassend":

      GeschehenVeranlassen
      'gyur „werden"sgyur „verändern, übersetzen"
      'jug „eintreten"'jug „eintreten lassen, hineinsetzen"
      chad „abgeschnitten sein"gcod „abschneiden"
      grub „zustandekommen"sgrub „bewirken, vollziehen"
      'byung „entstehen"'byin „herausbringen"

      16.2 Strategie B: Konstruktion mit 'jug pa „lassen"

      X-la  Y  byed-du / byed-tu  'jug

      Übersetzung: „X (la-Marker) das Y tun lassen."

      Beispiel: slob ma la chos klog tu 'jug — „Den Schüler die Lehre lesen lassen."

      16.3 Strategie C: Konstruktion mit byed pa / mdzad pa

      X-kyis  Y-r  byed

      Übersetzung: „X bewirkt Y; X macht so, dass Y geschieht."

      16.4 Strategie D: Bescheiden mit bgyid pa

      Wenn man höflich/bescheiden sprechen will: bgyid pa anstelle von byed pa.

      Beispiel: bdag gis dge ba bgyis-so — „Ich habe Tugend gewirkt."

      16.5 Tabelle der Veranlassungs-Verben

      VerbStammformenBedeutung
      byed pabyed / byas / bya / byosveranlassen, machen
      mdzad pamdzad / mdzad / mdzad / mdzodveranlassen (respektvoll)
      bgyid pabgyid / bgyis / bgyi / gyisveranlassen (bescheiden / elegant)
      'jug pa'jug / bcug / gzhug / chugveranlassen, einsetzen

      17. Verbliste in allen vier Stammformen

      Diese Liste enthält etwa 150 Kernverben, die zusammen den Großteil klassischer Texte abdecken. Sortierung nach Themen, nicht alphabetisch.

      Verbgruppen-Schlüssel

      KürzelBedeutung
      **HV**Hilfsverb / Existenz / Kopula
      **KT**kontrolliert transitiv (Handelnder + Objekt)
      **KI**kontrolliert intransitiv (nur Subjekt)
      **NKT**nicht-kontrolliert transitiv (Wahrnehmung, Erlangen)
      **NKI**nicht-kontrolliert intransitiv (Geschehen)
      **POS**Bewegung / Position / Ortswechsel
      **EHR**ehrerbietige Form
      **BES**bescheidene Form
      "—" = nicht belegt / Form fällt mit anderer zusammen.

      17.1 Hilfsverben und Kopula (HÖCHSTE PRIORITÄT — diese stehen am Satzende)

      1. Form2. Form3. Form4. FormSchriftTypBedeutung
      yinyinyinཡིན་HV„ist" (Identität); Verneinung: ma yin / min
      yodyodyodཡོད་HV„existiert, ist da, hat"; Verneinung: med མེད
      'dug'dug'dugའདུག་HV„ist da" (mit Wahrnehmung)
      mchismchismchisམཆིས་BESbescheiden für yod
      lagslagslagsལགས་EHRrespektvoll für yin
      mnga'mnga'mnga'མངའ་EHRehrerbietig für yod („verfügt über")
      bzhugsbzhugsbzhugsbzhugsབཞུགས་EHRehrerbietig „weilt, sitzt"
      byedbyasbyabyosབྱེད་KT„tun, machen" — Allzweck-Verb
      mdzadmdzadmdzadmdzodམཛད་EHRehrerbietig für byed
      bgyidbgyisbgyigyisབགྱིད་BESbescheiden für byed
      'gyurgyur'gyurgyurའགྱུར་HV„werden, sich verwandeln"
      'jugbcuggzhugchugའཇུག་KT„hineintun, lassen, bewirken"
      nusnusnusནུས་HV„können, vermögen"
      shesshesshesཤེས་NKT/HV„wissen, kennen, können"
      thubthubthubཐུབ་HV„können, fähig sein"
      'dod'dod'dodའདོད་NKT„wollen, wünschen"
      chogchogchogཆོག་HV„darf, ist erlaubt, genügt"
      dgosdgosdgosདགོས་HV„muss, brauchen"
      zinzinzinཟིན་HV„abgeschlossen sein" → Vollendungs-HV
      myongmyongmyongམྱོང་HV„je erfahren haben"
      sridsridsridསྲིད་HV„möglich sein"

      17.2 Bewegung und Position

      1. Form2. Form3. Form4. FormSchriftTypBedeutung
      'grophyin (song)'grosongའགྲོ་POS„gehen"
      'ong'ongs'ongshogའོང་POS„kommen"; Befehl shog „komm her!"
      phebsphebsphebsphebsཕེབས་EHRehrerbietig „kommen / gehen"
      byonbyonbyonbyonབྱོན་EHRehrerbietig „kommen / gehen"
      gshegsgshegsgshegsshogགཤེགས་EHRehrerbietig „gehen, sich begeben"
      slebsslebsslebsསླེབས་POS„ankommen, eintreffen"
      'byon'byon'byonའབྱོན་EHR„kommen" (ehrerbietig)
      ldanglangsldanglongsལྡང་POS„aufstehen, sich erheben"
      'dzeg'dzegs'dzeg'dzegsའཛེག་KI„klettern, aufsteigen"
      'babbab'babbobsའབབ་POS„herabsteigen, fallen"
      ltungltungsltungལྟུང་NKI„fallen, stürzen"
      'khor'khor'khorའཁོར་POS„sich drehen, umlaufen"
      skorbskorbskorskorསྐོར་KT„umrunden, umkreisen"
      sdodbsdadbsdadsdodསྡོད་KI„bleiben, sitzen, wohnen"
      gnasgnasgnasགནས་NKI„verweilen, bestehen"
      rgyugrgyugsrgyugrgyugsརྒྱུག་KI„laufen, rennen"
      'phur'phur'phur'phurའཕུར་KI„fliegen"
      rgalbrgalbrgalrgolརྒལ་KT„überqueren"
      skyeskyesskyeskyesསྐྱེ་NKI„geboren werden, entstehen"
      'khrungs'khrungs'khrungའཁྲུངས་EHRehrerbietig „geboren werden"
      'chishi'chiའཆི་NKI„sterben"
      'das'das'da'འདས་NKI„vorübergehen, sterben (gehoben)"
      grongsgrongs'grongགྲོངས་EHR„dahinscheiden"

      17.3 Wahrnehmung und Geistesakte

      1. Form2. Form3. Form4. FormSchriftTypBedeutung
      ltabltasbltaltosལྟ་KT„schauen, ansehen"
      gzigsgzigsgzigsgzigsགཟིགས་EHRehrerbietig „sehen"
      mthongmthongmthongམཐོང་NKT„sehen, erblicken"
      nyannyannyannyonཉན་KT„zuhören, lauschen"
      thosthosthosཐོས་NKT„hören, vernehmen"
      gsangsangsangsonགསན་EHRehrerbietig „hören"
      drandrandranདྲན་NKT„erinnern, in den Sinn kommen"
      bsambsambsambsomsབསམ་KT„denken, überlegen"
      dgongsdgongsdgongsdgongsདགོངས་EHRehrerbietig „denken, betrachten"
      semsbsamsbsamsomsསེམས་KT„denken, im Geist haben"
      shesshesshesཤེས་NKT„wissen, erkennen"
      mkhyenmkhyenmkhyenམཁྱེན་EHRehrerbietig „wissen"
      rtogbrtagsbrtagrtogsརྟོག་KT„untersuchen, prüfen"
      rtogsrtogsrtogsརྟོགས་NKT„erkennen, einsehen, realisieren"
      gogogoགོ་NKT„verstehen, begreifen"
      dga'dga'dga'དགའ་NKI„sich freuen, mögen, lieben"
      dgyesdgyesdgyesདགྱེས་EHRehrerbietig „sich freuen"
      chagschagschagsཆགས་NKI„anhaften, sich verlieben"
      skragskragsskragསྐྲག་NKI„erschrecken"
      'jigs'jigs'jigsའཇིགས་NKI„sich fürchten"
      daddaddadདད་NKI„Vertrauen / Glauben haben"
      mosmosmosམོས་NKI„Hingabe haben"
      rnyedrnyedrnyedརྙེད་NKT„finden, erlangen"
      brnyesbrnyesbrnyesབརྙེས་EHRehrerbietig „erlangen"
      thobthobthobthobཐོབ་NKT„erlangen, erhalten"

      17.4 Sprechen, Sagen, Erklären

      1. Form2. Form3. Form4. FormSchriftTypBedeutung
      smrasmrassmrasmrosསྨྲ་KT„sprechen, sagen"
      zerzerzerཟེར་KT„sagen, nennen"; häufiges Zitat-Verb
      brjodbrjodbrjodbrjodབརྗོད་KT„aussagen, ausdrücken"
      bshadbshadbshadshodབཤད་KT„erklären, erläutern"
      'chadbshadbshadshodའཆད་KT„erklären, lehren"
      stonbstanbstanstonསྟོན་KT„zeigen, lehren, darlegen"
      smonsmonsmonsmonསྨོན་KT„wünschen, Wunschgebet sprechen"
      'debsbtabgdabthobའདེབས་KT„werfen, säen, niederlegen"
      gsunggsungsgsungགསུང་EHRehrerbietig „sagen, lehren"
      zhuzhuszhuzhusཞུ་BESbescheiden „bitten, fragen"
      'dridrisdridrisའདྲི་KT„fragen, sich erkundigen"
      'bodbosdbodbosའབོད་KT„rufen, anrufen, nennen"
      sgrogsbsgragsbsgragsgrogsསྒྲོགས་KT„verkünden, hörbar machen, rezitieren"
      'donbtongdonthonའདོན་KT„herausnehmen, rezitieren"
      'gyerbgyerdgyergyerའགྱེར་KT„singen, intonieren"
      bgrangbgrangsbgrangbgrongsབགྲང་KT„zählen, aufzählen, rezitieren"

      17.5 Geben, Nehmen, Halten, Schützen

      1. Form2. Form3. Form4. FormSchriftTypBedeutung
      sbyinsbyinsbyinsbyinསྦྱིན་KT„geben, schenken"
      sterbsterbstersterསྟེར་KT„geben, verleihen, gewähren"
      gnanggnanggnanggnangགནང་EHRehrerbietig „geben, gewähren"
      stsolbstsalbstsalstsolསྩོལ་EHRgehoben „verleihen, gewähren"
      'bulphuldbulphulའབུལ་BESbescheiden „darbringen, opfern"
      lenblangsblanglongsལེན་KT„nehmen, entgegennehmen"
      'dzinbzunggzungzungའཛིན་KT„ergreifen, halten, festhalten"
      khyerkhyerkhyerkhyerཁྱེར་KT„tragen, mitnehmen"
      'khurkhur'khurkhurའཁུར་KT„tragen, auf dem Rücken tragen"
      thogsthogsthogsthogsཐོགས་KT„halten, in der Hand haben"
      skyobbskyabsbskyabskyobsསྐྱོབ་KT„beschützen, retten"
      bsrungbsrungsbsrungsrungsབསྲུང་KT„bewahren, beschützen, einhalten"
      skyongbskyangsbskyangskyongsསྐྱོང་KT„bewahren, hüten, regieren"
      'jogbzhaggzhagzhogའཇོག་KT„hinlegen, ablegen"
      sbassbassbasbosསྦས་KT„verbergen"
      zabzas / zosbza'zoཟ་KT„essen"
      'thung'thungs'thungthungའཐུང་KT„trinken"
      mchodmchodmchodmchodམཆོད་EHR„verehren, opfern; speisen (gehoben)"

      17.6 Existenz, Werden, Vergehen

      1. Form2. Form3. Form4. FormSchriftTypBedeutung
      'byungbyung'byungbyungའབྱུང་NKI„entstehen, erscheinen, sich ereignen"
      'gag'gags'gagའགག་NKI„aufhören, vergehen"
      'jigbshigbshigshigའཇིག་KT„zerstören"
      zhigzhigzhigshigཞིག་NKI„zerfallen, verfallen"
      zadzadzadཟད་NKI„erschöpft sein, zu Ende gehen"
      ldanldanldanལྡན་HV„besitzen, ausgestattet sein mit"
      bcasbcasbcasབཅས་HV„samt, einschließlich"

      17.7 Buddhistische Schlüsselverben (Verbalkomposita)

      Diese bestehen aus „Nomen + Verb". Beim Konjugieren wird nur der Verbteil geändert.

      KompositVerbteil-StämmeSchriftBedeutung
      phyag 'tshal ba'tshal / 'tshal / 'tshal / 'tsholཕྱག་འཚལ་„sich verbeugen, niederwerfen"
      skyabs su 'gro ba'gro / phyin / 'gro / songསྐྱབས་སུ་འགྲོ་„Zuflucht nehmen"
      sems bskyed pabskyed / bskyed / bskyed / skyedསེམས་བསྐྱེད་„Erleuchtungsgeist erzeugen"
      smon lam 'debs pa'debs / btab / gdab / thobསྨོན་ལམ་འདེབས་„Wunschgebet sprechen"
      bsngo babsngos / bsngo / bsngosབསྔོ་„widmen (Verdienst)"
      dbang bskur babskur / bskur / bskur / skurདབང་བསྐུར་„Einweihung geben"
      dbang zhu bazhu / zhus / zhu / zhusདབང་ཞུ་„Einweihung erbitten"
      chos bshad pabshad / bshad / bshad / shodཆོས་བཤད་„Lehre erklären"
      chos nyan panyan / nyan / nyan / nyonཆོས་ཉན་„Lehre hören"
      spyan 'dren pa'dren / drangs / drang / drongsསྤྱན་འདྲེན་„einladen (Lama, Gottheit)"
      sun 'byin pa'byin / phyung / dbyung / phyungསུན་འབྱིན་„widerlegen, zunichtemachen"
      sku gshegs pagshegs / gshegs / gshegs / shogསྐུ་གཤེགས་„dahinscheiden (Lama)"
      lung bstan paston / bstan / bstan / stonལུང་བསྟན་„prophezeien"
      sgom pasgom / bsgoms / bsgom / sgomsསྒོམ་„meditieren"
      sgrub pasgrub / bsgrubs / bsgrub / sgrubsསྒྲུབ་„verwirklichen, vollziehen"
      spyod paspyod / spyad / spyad / spyodསྤྱོད་„handeln, sich verhalten, ausüben"
      'tsho ba'tsho / 'tshos / 'tsho / 'tshosའཚོ་„leben, sich nähren"
      'tshang rgya bargya / rgyas / rgya / –འཚང་རྒྱ་„erleuchtet werden"
      sangs rgya(s) bargya / rgyasསངས་རྒྱས་„erwachen, Buddha werden"
      grol bagrol / grol / grolགྲོལ་„befreit werden, sich lösen"
      'dul ba'dul / btul / gdul / thulའདུལ་„bändigen, zähmen, disziplinieren"
      'gugs pa'gugs / bkug / dgug / khugsའགུགས་„herbeirufen, einladen (Gottheit)"
      dbab padbab / phab / dbab / phobདབབ་„herabbringen, herabrufen"
      spyod 'jug pa'jug / zhugs / 'jug / zhugsསྤྱོད་འཇུག་„in die Praxis eintreten"

      17.8 Weitere häufige Verben

      1. Form2. Form3. Form4. FormSchriftTypBedeutung
      'bribrisbribrisའབྲི་KT„schreiben, zeichnen"
      klogbklagsbklagklogsཀློག་KT„lesen, rezitieren"
      sbyongsbyangssbyangsbyongsསྦྱོང་KT„üben, lernen, reinigen"
      slobbslabsbslabslobsསློབ་KT„lehren, lernen"
      grubgrub'grubགྲུབ་NKI„zustandekommen, vollendet sein"
      sdombsdamsbsdamsdomsསྡོམ་KT„binden, Gelübde halten"
      gtongbtanggtangthong(s)གཏོང་KT„senden, schicken, freilassen"
      'gumbkumsdgumkhumsའགུམ་KT„töten"
      gsodbsadgsadsodགསོད་KT„töten"
      'drendrangsdrangdrongsའདྲེན་KT„führen, herbeibringen"
      'jalbcal / bzhalgzhalzholའཇལ་KT„begegnen, abmessen, abwägen"
      mjalmjalmjalmjolམཇལ་EHRehrerbietig „begegnen, treffen"
      brtagbrtagsbrtagrtagsབརྟག་KT„untersuchen, prüfen"
      brdungbrdungsbrdungrdungsབརྡུང་KT„schlagen"
      'thab'thabs'thabthobsའཐབ་KT„kämpfen"
      rgyalrgyalrgyalརྒྱལ་NKI„siegen, gewinnen"
      phamphamphamཕམ་NKI„besiegt werden, verlieren"
      zhugszhugszhugsཞུགས་NKI„eintreten in, hineingehen"
      'thad'thad'thadའཐད་NKI„logisch zutreffen"
      khyabkhyabkhyabཁྱབ་NKT„durchdringen, umfassen" (Logik!)
      'gal'gal'galའགལ་NKI„im Widerspruch stehen"
      'brel'brel'brelའབྲེལ་NKI„verbunden sein"
      sbyarsbyarsbyarsbyorསྦྱར་KT„verbinden, anwenden, anhängen"
      'phro'phros'phro'phrosའཕྲོ་NKI„ausstrahlen, hinausströmen"
      sdudbsdusbsdusdusསྡུད་KT„sammeln, zusammenstellen"
      zhizhizhiཞི་NKI„sich beruhigen, befriedet werden"
      nyamsnyamsnyamsཉམས་NKI„verfallen, geschwächt werden"
      dgagbkagdgagkhogདགག་KT„verbieten, blockieren, widerlegen"
      'khyerkhyerkhyerkhyerའཁྱེར་KT„tragen, davontragen"
      Für die vollständige Liste aller ~4500 Verben: Hackett's „A Tibetan Verb Lexicon" (Snow Lion 2003/2019) oder Nathan Hill's „A Lexicon of Tibetan Verb Stems" (frei online: github.com/tibetan-nlp/lexicon-of-tibetan-verb-stems).

      Teil E — Komplexe Sätze

      18. Nebensätze und Verbindungspartikel

      Klassisches Tibetisch baut komplexe Sätze, indem es Verbindungspartikel an Verben anhängt. Jeder solche Partikel signalisiert eine Satzgrenze.

      18.1 Verbindungen direkt am Verbstamm

      VerbindungSchreibvariantenBedeutungPosition
      -te-ste, -de„und (dann), wobei, indem"; Universalkonjunktion — Kontext entscheidetnach Verbstamm
      -cing-zhing, -shing„und gleichzeitig, während"nach Verbstamm
      -na(universal)„wenn, falls, sobald, als"nach Verbstamm
      -nas(universal)„nachdem … getan habend"nach Verbstamm
      -kyang-yang, -'ang„obwohl, dennoch"nach Verbstamm
      -kyi-gi, -gyiadversativ („aber")nach Verbstamm
      -la„aber, als/nachdem"nach Verbstamm
      -na yang„selbst wenn"nach Verbstamm
      -tsa na-tsam du, -tsam na„sobald"nach Verbstamm

      18.2 Verbindungen nach Verbalnomen (-pa/-ba)

      Wenn das Verb erst durch -pa/-ba zum Nomen gemacht wird, kann es weitere Anhängsel bekommen:

      VerbindungFunktion
      -pa'i tshe„zur Zeit, als"
      -pa'i phyir„weil, um … zu"
      -pa'i mtha'„am Ende von"
      -pa'i rgyu mtshan gyis„aus dem Grund, dass"
      -pa dang 'dra„so wie"
      -pa'i thabs su„als Mittel, um …"
      -pa'i don du„zum Zweck, um … zu"

      18.3 Konjunktionen direkt nach Verbalnomen

      KonjunktionFunktion
      -°s (verschmolzen)temporal („als/nachdem"), kausal („da/weil")
      -dangtemporal („als/nachdem")
      -natemporal („als")
      -nastemporal („als/nachdem")
      -latemporal („als"), final („um zu")
      -lastemporal/kausal
      -°s kyangkonzessiv („obwohl")
      -°s nakausal („da/weil")

      19. Vergleich, Steigerung, Komparation

      19.1 Vergleichspartikel

      WylieSchriftBedeutung
      ltarལྟར„so wie, gemäß, nach Art von"
      bzhin duབཞིན་དུ„so wie, gleich wie"
      lta buལྟ་བུ„ähnlich wie, wie ein …"
      'dra baའདྲ་བ„ähnlich, gleich"
      mtshungs paམཚུངས་པ„gleichend, ebenbürtig"

      19.2 Komparativ (höher/niedriger)

      Vergleichs-Marker: -las, -pas / -bas — bedeuten „als"

      Komparativ-Anhängsel: -pa/-ba ersetzt das Adjektiv-Anhängsel:

      • bzang po → bzang ba „besser"
      • chen po → che ba „größer"

      19.3 Superlativ

      Anhängsel: -shos an den Adjektivstamm:

      • bzang shos „am besten"
      • che shos „am größten"

      Vergleichsgruppe: -las, kyi nang nas

      19.4 Steigerung und Verstärkung

      FormSchriftBedeutung
      shin tuཤིན་ཏུ„äußerst, sehr"
      rab tuརབ་ཏུ„vollkommen, äußerst"
      mchog tuམཆོག་ཏུ„in höchstem Maße"
      yongs suཡོངས་སུ„völlig, ganz"
      khyad par duཁྱད་པར་དུ„besonders"
      chesཆེས„mehr (als)"
      yang dag paཡང་དག་པ„äußerst rein, vollkommen"
      je- (Vorsilbe)ཇེ„immer mehr-": je 'phel ba „immer mehr zunehmen"
      Wiederholungyang yang „immer wieder"

      19.5 Verkleinerung

      Anhängsel -'u verkleinert: mi „Mensch" → mi'u „Zwerg"; rta „Pferd" → rta'u „Fohlen".


      20. Frage- und Indefinit-Wörter

      20.1 Wortfragen — Regeln

      1. Das Fragewort steht an der syntaktischen Stelle, nach der gefragt wird.
      2. Wortfragen enden im Verbstamm (kein Schluss-Marker).
      3. Fragewörter können Kasus-Anhängsel und Postpositionen erhalten.

      20.2 Frage-Wörter

      WylieSchriftFrage
      suསུ„wer?" — Personen
      ciཅི„was?" — Dinge
      gangགང„wer/was/welcher?" — universal
      namནམ„wann?"
      gang naགང་ན„wo?"
      gar (gang du, ga la)གར„wohin?"
      ji ltarཇི་ལྟར„wie? auf welche Art?"
      ci'i phyirཅིའི་ཕྱིར„warum? weshalb?"
      ji tsamཇི་ཙམ„wie viel?"
      ji sridཇི་སྲིད„wie lange? solange wie"

      20.3 Indefinit-Bildungen

      Aus den Fragewörtern werden Indefinit-Wörter durch Anhängen weiterer Partikel:

      BildungBedeutung
      Fragewort allein„jemand / etwas"
      Fragewort + zhig„irgendein(e/r)"
      Fragewort + yang„jeder/jede"; mit Verneinung: „niemand/nichts"
      Fragewort + rung„wer/was es auch sei"
      Fragewort + Verbalnomen + yin pa„sämtliche, alle"
      Wiederholung (gang dang gang)„verschiedene, allerlei"

      Unbestimmte Adverbien:

      • nam yang „immer / nie"
      • gang na yang „überall"
      • gang du yang „überallhin"

      21. Direkte und indirekte Rede

      21.1 Aufbau eines direkten Zitats

      [Sprecher] [Sprecher-Marker] {[direkte Rede] [Schluss-Marker]} [Zitatpartikel] [Sprechakt-Verb]

      21.2 Sprecher-Markierungen

      FormVerwendung
      (fehlt)Sprecher nicht genannt
      -kyi zhal nasrespektvoll „aus dem Mund von …"
      -na rehäufig: „X sagte: …"
      -kyismit Handelnden-Marker
      Sprecher nach der direkten Redenachgestellt

      21.3 Zitat-Partikel

      Schreibvarianten je nach letztem Buchstaben des Zitats:

      WannForm
      nach -g, -d, -bཅེས་ ces
      nach -ng, -n, -m, -', -r, -lཞེས་ zhes
      nach -sཞེས་ zhes (Sonderfall — NICHT *shes*)
      nach Vokalཞེས་ zhes

      Kurzformen: ce, zhe, she.

      21.4 Indirekte Rede

      Verbindung -tu leitet den indirekten Inhalt ein:

      [Sprecher] {[indirekter Inhalt]} [-tu] [Sprechakt-Verb]

      22. Attributsätze und Gliedsätze

      22.1 Attributsätze (Relativsätze)

      Klassisches Tibetisch baut Relativsätze auf zwei Arten:

      A. Voranstehender Attributsatz — mit Zugehörigkeits-Anhängsel am Verb, vor dem Bezugsnomen:

      • byas pa'i las „die Tat, die getan wurde" (byas pa = „getan habend"; -'i = Zugehörigkeit)

      B. Nachstehender Attributsatz — ohne Zugehörigkeits-Anhängsel, nach dem Bezugsnomen:

      • las byas pa „die Tat, getan habend"

      Funktionen: Relativsatz, Verhältnissatz (modal/final), Inhaltssatz (als Subjekt oder Objekt). Verschachtelung möglich.

      22.2 Gliedsätze

      Bildung: Gliedsatz mit Verbindung -tu / -r vor dem Hauptverb.

      TypBeschreibung
      SubjektsatzGliedsatz fungiert als Subjekt
      ObjektsatzGliedsatz fungiert als Objekt
      Adverbialsatz (modal)Art und Weise
      Adverbialsatz (final)Zweck
      Adverbialsatz (folgernd)Folge

      23. Zusammengesetzte Postpositionen

      Diese komplexeren Beziehungen werden gebildet aus: Zugehörigkeits-Anhängsel + Strukturnomen + einfache Postposition.

      23.1 Zeitlich

      PostpositionSchriftBedeutung
      kyi dus suཀྱི་དུས་སུ„während, als"
      kyi tsheཀྱི་ཚེ„während, als"
      kyi bar duཀྱི་བར་དུ„solange wie"
      kyi rjes suཀྱི་རྗེས་སུ„nachdem"
      kyi 'og tuཀྱི་འོག་ཏུ„nachdem; unter"
      kyi sngon duཀྱི་སྔོན་དུ„bevor"

      23.2 Kausal und Final

      PostpositionSchriftBedeutung
      kyi rkyen gyisཀྱི་རྐྱེན་གྱིས„weil, aufgrund"
      kyi phyirཀྱི་ཕྱིར„weil, deshalb"
      kyi ched duཀྱི་ཆེད་དུ„damit, um … zu"
      kyi don duཀྱི་དོན་དུ„damit, um … zu"
      kyi slad duཀྱི་སླད་དུ„damit, um … zu"

      23.3 Räumlich

      PostpositionSchriftBedeutung
      kyi nang duཀྱི་ནང་དུ„innerhalb, in"
      kyi mdun naཀྱི་མདུན་ན„vor (örtlich)"
      kyi rgyab tuཀྱི་རྒྱབ་ཏུ„hinter"
      kyi steng duཀྱི་སྟེང་དུ„auf, oben auf"
      kyi 'og tuཀྱི་འོག་ཏུ„unter"
      kyi sgo nasཀྱི་སྒོ་ནས„durch, mittels"

      24. Phrasen als Verbindungen

      PhraseSchriftBedeutung
      -la brten nasལ་བརྟེན་ནས„weil; aufgrund; nachdem"
      -tu ma zadཏུ་མ་ཟད„nicht nur … sondern auch"
      -ma gtogs parམ་གཏོགས་པར„abgesehen davon, dass"
      -nas bzung steནས་བཟུང་སྟེ„seitdem, seit"
      -ma thag tuམ་ཐག་ཏུ„kurz nachdem, sobald"


      Teil F — Praxis

      25. Wie man einen Satz in fünf Schritten übersetzt

      Vergiss komplizierte Sechs-Schritte-Methoden. Das hier reicht:

      Schritt 1: Finde das Ende

      Suche (shad) oder einen Schluss-Marker (-'o, -so, -do, -no, -go, -bo, -ro, -lo, -mo, -ngo, -to). Da endet der Satz.

      Schritt 2: Finde das Verb

      Letztes inhaltliches Wort vor dem Satzende. Schlag es im Wörterbuch nach. Notiere:

      • Welche Stammform liegt vor?
      • Welche Bedeutung?
      • Welche Verbgruppe (KT/KI/NKT/NKI/POS/HV)?

      Schritt 3: Finde den Handelnden

      Suche im Satz nach einem Wort mit -s, -kyis, -gis, -gyis, -yis am Ende. Das ist, der die Handlung macht.

      Kein solches Wort? Dann ist das Verb wahrscheinlich Typ B (Bewegung/Position) oder C (Geschehen), und das Subjekt steht ohne Marker.

      Schritt 4: Finde Ort, Zeit, Empfänger

      Wörter mit -la, -na, -nas, -las, -tu/du/r/su sind keine Hauptpersonen — sie sagen, wo, wann, von wo, wohin etwas passiert.

      Schritt 5: Setze zusammen

      Lies in der Reihenfolge: Handelnder — Empfänger/Ort — Objekt — Verb.

      Beispielsatz

      རྒྱལ་པོས་གྲོང་དུ་ཡི་གེ་འབྲིས་སོ།
      rgyal pos    grong du     yi ge    'bri-so
      • Schritt 1: am Ende, Verb mit -so. ✓
      • Schritt 2: Verb = 'bri (1. Form von „schreiben"), KT-Verb.
      • Schritt 3: rgyal po hat -s → der König ist der Handelnde.
      • Schritt 4: grong du (Stadt-tu) → in/zur Stadt.
      • Schritt 5: König — in der Stadt — Brief — schreibt.
      • Übersetzung: „Der König schreibt einen Brief in der Stadt."

      26. Die acht Faustregeln zum Erkennen

      26.1 Wie man im Satz das Verb identifiziert

      1. Tibetisch hat strikt Verb-am-Ende-Stellung. Das letzte sinngebende Wort vor Schluss-Marker oder shad ist mit größter Wahrscheinlichkeit das Hauptverb.
      2. Verben können im Satz eingebettet sein in Verbalnomen-Form (-pa) und dann nominal weiterbehandelt werden. Das echte Hauptverb steht ganz am Ende.
      3. Endet ein Satz auf yin no / 'dug go / yod do / bzhugs so → das Hilfsverb ist am Ende.

      26.2 Wie man Subjekt vom Objekt unterscheidet

      • Bei kontrolliert transitiven (KT)-Verben: Der Handelnde ist mit -kyis/-gis markiert. Das Objekt steht meistens ohne Markierung.
      • Bei kontrolliert intransitiven (KI)-Verben: Das einzige Argument steht ohne Markierung.
      • Bei nicht-kontrolliert transitiven (NKT, Wahrnehmung): Der „Erleider" steht oft mit la statt mit kyis (mthong la „erblickt etwas").
      • Faustregel: Wenn ein Wort -kyis/-gis/-gyis/-yis/-s trägt, ist es fast immer der Handelnde (oder das Mittel). Das andere unmarkierte Nomen ist dann das Objekt.
      • 26.3 Wie man Nebensätze vom Hauptsatz trennt

        Verbverbindungen -te/-ste/-de, -cing/-zhing/-shing, -na, -nas, -kyang/yang, -pa'i tshe, -pa'i phyir schließen Nebensätze ab. Was danach folgt, ist der Hauptsatz oder ein weiterer Nebensatz.

        26.4 Schnellerkennung: welche Familie ist das Anhängsel?

        Anlaut der VarianteGehört zuFunktion(en)
        **k-** (kyi/kyis/kyang/cing/cig/ces)Familie A (c-Familie)Zugehörigkeit, Handelnder, „auch", Verb-Verbindung, „ein", Zitat
        **g-** (gi/gis/gyi/gyis)Familie Adasselbe
        **z-** (zhi-, zhe-)Familie Adasselbe (nach n, m, r, l und Vokal)
        **sh-** (shing, shig)Familie Adasselbe (nach -s) — Sonderfall: zhes statt *shes
        **t-/d-/s-** + uFamilie B (la-don)Ort, Zweck, Empfänger
        **-as**Familie DHerkunft, Vergleich
        **-o / -'o / -go / -do …**Familie CAussagesatz-Schluss / Frage

        26.5 Die "8 wichtigsten Partikel"-Methode

        Wenn man im Satz unsicher ist, beantwortet die Identifikation dieser 8 Marker fast den ganzen Satzbau:

        #Partikelbeantwortet die Frage
        1**kyis / gis / gyis / yis / -s**„Wer macht es?"
        2**kyi / gi / gyi / yi / -'i**„Wessen?"
        3**la / na / -r / tu / du / su**„Wo? Wohin? Wem? Wofür?"
        4**las / nas**„Woher? Im Vergleich womit?"
        5**ni**„Worum geht es jetzt?"
        6**dang**„Mit was zusammen? / Und?"
        7**-pa / -ba / -ma**„Wo endet die Verbphrase?"
        8**-o / -'o / -so / etc.**„Wo endet der Satz?"

        27. Häufige Stolpersteine

        1. -pa Doppeldeutigkeit: Nach Verb = Verbalnomen. Nach Nomen = Personenmacher.
        2. byed pa „das Tun"
        3. bla ma pa „der zur Lama-Klasse Gehörige"
        1. kyi nach Nomen vs. nach Verb:
        2. Nach Nomen = Zugehörigkeit („von"): rgyal po'i pho brang „Palast des Königs"
        3. Nach Verb (vor allem nach -pa) = Gegenverbindung („obwohl") oder Adjektivbildung
        1. -s nach Vokal kann bedeuten:
        2. Handelnder (wenn Verb folgt)
        3. Plural-Idee (wenn Nomen folgt)
        4. Vergangenheits-Stammbildung (in Verbformen)

        Kontext entscheidet!

        1. 'i mit Vokal-Endung verschmilzt: bla ma + kyi → bla ma'i (NICHT *bla ma kyi)
        1. ces/zhes/shes sind KEINE Verben — es sind Zitatschluss-Marker. Das Verb „wissen" *shes* ist ein eigenes Wort (Vorsicht!).
        1. 'gyur steht oft anstelle einer Zukunft: byed par 'gyur „es wird getan werden / wird so sein, dass es getan wird"
        1. Verben ohne Befehlsform: Nicht-kontrollierte Verben (mthong, rtogs, dran) haben keinen Befehl — wenn doch, dann durch Hilfsverb-Konstruktion.
        1. Verbalnomen im Wörterbuch: Verben stehen oft in der Form -pa/-ba (sgom pa, byed pa, 'gro ba) — beim Konjugieren das Suffix entfernen.
        1. Doppelnegation existiert nicht im klassisch-tibetischen Sinn von „nicht nicht = ja". Oft logisch genau gegenteilig oder rhetorisch.
        1. na vs. la: beides oft mit „in/an" übersetzbar, aber:
        2. na = statisch, „sich befindend in"
        3. la = dynamisch, „hin zu" (aber auch oft statisch verwendet)

        28. Position-Slot-Tabellen (Reihenfolge der Anhängsel)

        28.1 Reihenfolge an einem Nomen

        [Stamm] + [Ableitung -pa/-po/-mo/-ma] + [Plural -rnams/-dag] + [„ein" -zhig] + [Kasus / Postposition]

        Beispiele:

        TibetischWylieAufschlüsselung
        མི་རྣམས་ཀྱི་mi rnams kyimi (Mensch) + rnams (Plural) + kyi (Zugehörigkeit) = „der Menschen"
        བླ་མ་རྣམས་ཀྱིས་bla ma rnams kyis„durch die Lamas"
        ཆོས་པ་ཞིག་ལ་chos pa zhig lachos (Lehre) + pa (Personenmacher) + zhig („ein") + la = „einem Praktizierenden"
        བླ་མ་རིན་པོ་ཆེ་རྣམས་ཀྱི་ཞབས་ལ་bla ma rin po che rnams kyi zhabs la„zu Füßen der Edlen Lamas"

        28.2 Reihenfolge an einem Verb

        [Verbstamm] + [Verbalnomen-Anhängsel -pa/-ba] (optional) + [Kasus / Verbverbindung] + [Schluss-Marker / Frage / Befehl]

        Beispiele:

        TibetischWylieAufschlüsselung
        བྱེད་པ་ཡིན་ནོ།byed pa yin nobyed (tun) + pa (Verbalnomen) + yin (Kopula) + no (Schluss) = „es ist tatsächlich (so ein) Tun"
        བསྒོམ་ཅིང་བསྡོད།bsgom cing bsdod„während er meditiert, sitzt er"
        བྱས་ནས་འགྲོ།byas nas 'gro„nachdem er es getan hat, geht er"
        བསྒྲུབས་པའི་ཕྱིར་རོ།bsgrubs pa'i phyir ro„weil es vollzogen wurde"

        28.3 Komplexe Suffix-Ketten — gelöst

        Beispiel: བསྒོམ་པ་རྣམས་ཀྱི་སྐྱོན་རྣམས་ལས་གྲོལ་བའི་དོན་དུ་

        bsgom-pa rnams kyi skyon rnams las grol-ba'i don du

        Aufschlüsselung:

        • bsgom-pa = Verbalnomen „Meditation"
        • rnams = Plural
        • kyi = Zugehörigkeit
        • skyon = „Fehler"
        • rnams = Plural
        • las = Herkunft („von, aus")
        • grol-ba'i = „der Befreiung" (Verbalnomen + Zugehörigkeit verschmolzen)
        • don du = „zum Zweck"

        Übersetzung: „um zur Befreiung von den Fehlern der Meditationen willen"



        Teil G — Anhänge

        29. Vollständige Partikel-Übersicht (alphabetisch)

        A

        PartikelSchriftFunktion
        'amའམFrage-Schluss („…, oder?") + Schreibvarianten
        'angའང„auch, sogar" (nach Vokal/-')
        'iའིZugehörigkeit, verschmolzen nach Vokal

        B

        PartikelSchriftFunktion
        baVerbalnomen / Personenmacher (nach -ng/-'/-l/Vokal)
        barབར„bis zu" (nach Vokal)

        C

        PartikelSchriftFunktion
        canཅན„mit … versehen, ausgestattet mit"
        cesཅེསZitatschluss (nach -g/-d/-b)
        cigཅིག„ein"; auch Befehl (nach -g/-d/-b)
        cingཅིང„und gleichzeitig" (nach -g/-d/-b/-s)

        D

        PartikelSchriftFunktion
        dagདགPlural-Marker
        dangདང„und, mit"; sanfter Befehl
        deདེ„jener/der"; auch Themenpartikel (nach -d)
        doདོAussagesatz-Schluss (nach -d)
        duདུla-Familie (nach -ng/-d/-n/-m/-r/-l)

        G

        PartikelSchriftFunktion
        gaPersonenmacher
        geགེPersonenmacher
        giགིZugehörigkeit (nach -ng)
        gisགིསHandelnder (nach -ng)
        goགོAussagesatz-Schluss (nach -g)
        gyiགྱིZugehörigkeit (nach -n/-m/-r/-l)
        gyisགྱིསHandelnder (nach -n/-m/-r/-l)

        K

        PartikelSchriftFunktion
        kaPersonenmacher
        khaPersonenmacher (Allomorph)
        kho naཁོ་ན„nur, ausschließlich"
        kunཀུན„alle, alles"
        kyangཀྱང„auch, sogar; obwohl" (nach -g/-d/-b/-s)
        kyiཀྱིZugehörigkeit (nach -d/-b/-s)
        kyisཀྱིསHandelnder (nach -d/-b/-s)

        L

        PartikelSchriftFunktion
        lala-Marker (universal): wem, wo, wohin, wofür, wenn
        lasལས„aus, mehr als (Vergleich), als (was)"
        loལོAussagesatz-Schluss (nach -l)
        lta buལྟ་བུ„ähnlich wie"
        ltarལྟར„so wie, gemäß"

        M

        PartikelSchriftFunktion
        maPersonenmacher (weiblich); auch Vergangenheits-Verneinung; Verbot
        mchog tuམཆོག་ཏུ„in höchstem Maße"
        miམིVerneinung (Gegenwart/Zukunft)
        minམིན„ist nicht" (= ma yin)
        mkhanམཁན„derjenige der …"
        moམོPersonenmacher (weiblich); auch Aussagesatz-Schluss (nach -m)
        modམོདpoetische Aussagesatz-Markierung

        N

        PartikelSchriftFunktion
        na„in, bei, wenn, falls" (universal)
        nasནས„aus, von … weg, seit"; Verbketten
        ngoངོAussagesatz-Schluss (nach -ng)
        niནིThemenpartikel („was X betrifft")
        noནོAussagesatz-Schluss (nach -n)
        nyidཉིད„selbst, eben dieser; -heit"

        P

        PartikelSchriftFunktion
        paVerbalnomen / Personenmacher (nach -n/-s/-d/-b/-r/-m und Postfinal -s)
        parཔརadverbial (-pa + -r)
        poཔོPersonenmacher (maskulin)

        R

        PartikelSchriftFunktion
        -rla-Familie nach Vokal
        rab tuརབ་ཏུ„vollkommen, äußerst"
        roརོAussagesatz-Schluss (nach -r)
        rnamsརྣམསPlural-Marker
        rungརུང„angemessen sein"; auch Indefinitbildung

        S

        PartikelSchriftFunktion
        -sHandelnder oder Plural (nach Vokal); auch Vergangenheits-Stamm
        shigཤིག„ein"; auch Befehl (nach -s)
        shin tuཤིན་ཏུ„äußerst, sehr"
        shingཤིང„und gleichzeitig" (nach -s)
        shogཤོགWunsch / Aufforderung („mögest du")
        shosཤོསSuperlativ-Marker
        soསོAussagesatz-Schluss (nach -s)
        steསྟེ„und, wobei" (nach -g/-b/-ng/-m/-'/Vokal)
        stsamཙམ„nur, etwa, ungefähr"
        suསུla-Familie nach -s

        T

        PartikelSchriftFunktion
        teཏེ„und, wobei" (nach -n/-r/-l/-s)
        toཏོAussagesatz-Schluss nach Postfinal-d
        tsamཙམ„nur, etwa"
        tshogsཚོགས„Versammlung; Plural"
        tuཏུla-Familie (nach -g/-b/Postfinal-d)

        Y

        PartikelSchriftFunktion
        yangཡང„auch, sogar; obwohl" (nach -ng/-n/-m/-r/-l/Vokal)
        yiཡིZugehörigkeit (silbisch nach Vokal)
        yisཡིསHandelnder (silbisch nach Vokal)
        yongs suཡོངས་སུ„völlig, ganz"

        Z

        PartikelSchriftFunktion
        zhe saཞེ་ས(Konzept) Ehrerbietigkeit
        zhesཞེསZitatschluss (nach -ng/-n/-m/-'/-r/-l/-s/Vokal)
        zhigཞིག„ein" (nach -ng/-n/-m/-'/-r/-l/Vokal)
        zhingཞིང„und gleichzeitig" (nach -ng/-n/-m/-'/-r/-l/Vokal)

        30. Ehrerbietig/bescheiden-Wörterbuch

        Wann verwendet man welche Form? Diese Tabelle hilft beim Übersetzen.

        30.1 Verben

        Bedeutungnormalehrerbietig (über Lama/Buddha)bescheiden (über mich vor Höhergestellten)
        sein (Identität)yinlags
        existieren / habenyodmnga'mchis
        sich aufhaltensdodbzhugsmchis
        machen, tunbyedmdzadbgyid
        sagensmra/zer/brjodgsungzhu
        hörennyan/thosgsan
        sehenlta/mthonggzigs
        wissenshes/rtogsmkhyen
        denkensems/bsamdgongs
        gehen, kommen'gro/'ongphebs/byon/gshegsmchi
        gebenster/sbyingnang/stsol'bul
        nehmenlen/'dzinbzhes
        essenzagsol
        trinken'thungmchod
        sich freuendga'dgyes
        sterben'chi/shisku gshegs/'das
        geboren werdenskye'khrungs
        treffenmthong/mjalgzigs/mjal

        30.2 Nomen (häufige ehrerbietige Körperteile)

        normalehrerbietigBedeutung
        lusskuKörper
        mgodbuKopf
        migspyanAuge
        rnasnyanOhr
        khazhalMund
        lag paphyagHand
        rkang pazhabsFuß
        semsthugsGeist
        skadgsungStimme, Wort
        mingmtshanName
        phayabVater
        mayumMutter
        busrasSohn
        bu mosras moTochter

        31. Online-Ressourcen (geprüft April 2026)

        31.1 Verb-Lexika und Wörterbücher

        RessourceURLBewertung
        **Christian Steinert Tibetan Dictionary**https://dictionary.christian-steinert.de**DAS** zentrale Werkzeug. Web + Android-App. Enthält Hill 2010 (Verb-Stämme), Rangjung Yeshe, Hopkins, Bod rgya tshig mdzod.
        **THL Translation Tool (UVA)**https://ttt.thlib.orgParser für Wylie-Eingabe; schlägt simultan in mehreren Wörterbüchern nach
        **Rangjung Yeshe Wiki**https://rywiki.tsadra.orgGrößtes freies Dharma-Wörterbuch + Grammatik-Artikel
        **Hill 2010 — Lexikon der Verbstämme (frei)**https://github.com/tibetan-nlp/lexicon-of-tibetan-verb-stemsFrei lizenziert, XML, ideal für eigene Tools
        **Hill 2010 — PDF-Auszug (frei)**https://eprints.soas.ac.uk/11006/3/Hill_2010_verb_dictionary_excerpt.pdfAuszug der gedruckten Version
        **Hackett's Tibetan Verb Lexicon**(Buch, Snow Lion 2003/2019)Standard-Verb-Lexikon mit syntaktischen Frames; Index online auf wiki.learntibetanlanguage.org
        **Padma Karpo TC Illuminator**https://pktc.orgWörterbuch + TibetD Reader Software (kostenfrei)

        31.2 Texte und Übersetzungs-Repositorien

        RessourceURLWas es bietet
        **84000 Reading Room**https://84000.coKanjur und Tanjur in englischer Übersetzung mit Wylie-Original; ideal für aligned reading
        **Lotsawa House**https://lotsawahouse.orgParallele Tib-Engl-Texte aus allen 4 Schulen, einschließlich Karma-Kagyü
        **Adarsha (Karmapa)**https://adarsha.dharma-treasure.orgDurchsuchbarer Kangyur/Tengyur
        **BuddhaNexus**https://buddhanexus.netIntertextualitäts-Suche, sehr nützlich für Zitatwiederfindung
        **OpenPecha**https://openpecha.org · GitHub: github.com/OpenPechaMaschinenlesbare Texte; Korpus für eigene Tools
        **BDRC**https://library.bdrc.ioGescannte Tibetische Texte und Autorendatenbank
        **ACIP**https://www.asianclassics.orgWylie-Volltext des Kanjur/Tanjur
        **Bibliotheca Polyglotta (Oslo)**https://www2.hf.uio.no/polyglotta/index.php?page=library&bid=2Satzweise mehrsprachige Aufstellungen Skt-Tib-Dt-Engl

        31.3 Grammatik-Online-Lehrmaterialien

        RessourceURLHinweis
        **Rigpa Wiki Grammar**https://rigpawiki.org/index.php/Tibetan_GrammarSehr ausführlich, ohne Linguistenjargon — empfehlenswert
        **Classical Tibetan Wiki (Wilson + Hackett)**https://wiki.learntibetanlanguage.orgVollständiger Verb-Index mit Wilson-Klassen
        **Lotsawa House Grammar Series**https://lotsawahouse.org/topics/grammar/Übersetzungen klassischer Grammatik-Texte (Sum cu pa, Rtags 'jug pa)
        **Tibetan Language Institute (Lama David Curtis)**https://www.tibetanlanguage.org/resources/free-study-and-practice-aids/Viele freie PDFs (Refuge, 37 Practices, Heart Sutra) — Karma-Kagyü-freundlich
        **Maitripa College Resources**https://maitripa.org/library/subject-guides/classical-tibetan-texts-and-translation/Freie Glossare und Audiomaterial
        **Wikibooks Classical Tibetan**https://en.wikibooks.org/wiki/A_Textbook_of_Classical_TibetanKnapper Lehrgang
        **tibetanlanguage.school**https://tibetanlanguage.schoolGut strukturierte Module ohne Jargon

        31.4 KI- und NLP-Werkzeuge

        RessourceURLStatus 2026Verwendung
        **Botok (OpenPecha)**https://github.com/OpenPecha/BotokaktivTibetische Tokenisierung in Python
        **pyewts (OpenPecha)**https://github.com/OpenPecha/pyewtsaktivWylie ↔ Unicode-Konversion
        **Dharmamitra**https://dharmamitra.orgaktivKI-Übersetzung Tibetisch→Englisch; kostenlos
        **ACTib (Annotated Corpus)**Zenodo / Meelen-Roux-Hill 2021aktivPOS-getaggtes klassisch-tibetisches Korpus

        31.5 YouTube-Kanäle (Aussprache und Anschauungsunterricht)

        KanalFokus
        **Lama David Curtis (TLI)**klassisch, Alphabet, Refuge, 37 Practices
        **Tibetan Language Learning Lab (Nettle)**klassisch, akademisch
        **Basic Tibetan Reading**schrittweise Lese-Übungen
        **Sambhota Schools**Anfänger, beide Sprachebenen
        **Dharma Farm (Dr. William Magee)**klassisch, intensive Übersetzungs-Drills

        31.6 Anki-Decks für klassisch-tibetische Verben

        • Suche auf https://ankiweb.net/shared/decks nach: „Tibetan verbs", „Hackett", „Wilson Tibetan"
        • Aus Hill 2010 GitHub-CSV → eigenes Deck mit allen Stamm-Varianten und Häufigkeitsdaten generieren

        32. Quellen und Literatur

        Hauptquellen für diese Referenz

        • Schiller, J. (Wintersem. 2022/23): Vorlesung „Klassisches Tibetisch", Universität Wien, Lektionen 01–42.
        • Hackett, P.G. (2003 / 2nd ed. 2019): *A Tibetan Verb Lexicon: Verbs, Classes, and Syntactic Frames*, Snow Lion / Shambhala.
        • Hahn, M. (1996): *Lehrbuch der klassischen tibetischen Schriftsprache*, 7. Aufl., Indica et Tibetica Verlag, Swisttal-Odendorf.
        • Schwieger, P. (2009): *Handbuch zur Grammatik der klassischen tibetischen Schriftsprache*, 2. Aufl., IITBS Halle.
        • Beyer, S.V. (1992): *The Classical Tibetan Language*, SUNY.
        • Hill, N.W. (2010): *A Lexicon of Tibetan Verb Stems as Reported by the Grammatical Tradition*, Bayerische Akademie der Wissenschaften.
        • Sommerschuh, C. (2008): *Einführung in die tibetische Schriftsprache*, Norderstedt.
        • Wilson, J.B. (1992): *Translating Buddhism from Tibetan*, Snow Lion.
        • Tournadre, N. (2010): „The Classical Tibetan cases and their transcategoriality", *Himalayan Linguistics* 9(2).

        Weitere Vertiefung

        • Bialek, J. (2018): *Old Tibetan verb morphology*, eScholarship UC.
        • Tillemans, T.J.F. (1989, 1991): Studien zu *bdag/gzhan* und *tha dad pa*-Verben.
        • Jacques, G. (2012): *An Internal Reconstruction of Tibetan Stem Alternations*.
        • Bayerische Akademie der Wissenschaften: *Wörterbuch der tibetischen Schriftsprache* (Standard-Wörterbuch der klassischen Schriftsprache).

        Wie du dieses Dokument nutzt

        Lernkurve

        1. Woche 1–2: Teile A (Grundlagen) + B (Wörter) durchlesen. Alphabet sicher erkennen können.
        2. Woche 3–4: Teil C (Sätze) studieren. Die acht wichtigsten Partikel auswendig.
        3. Woche 5–8: Teil D (Verben) durcharbeiten. Verbliste in Sektion 17 als Anki-Deck importieren.
        4. Ab Woche 9: Mit echten Texten von Lotsawa House oder 84000 anfangen, mit Teil F als Methoden-Anker.

        Als Nachschlagewerk

        • Du hast einen Satz vor dir: → Teil F (Praxis), 5-Schritte-Methode
        • Du verstehst ein Anhängsel nicht: → Teil G, alphabetische Partikel-Übersicht
        • Du brauchst eine Verbform: → Teil D, Sektion 17, Verbliste
        • Du erkennst keine Satzgrenze: → Teil E, Sektion 18
        • Du übersetzt einen Dharma-Text: → Sektion 17.7 (buddhistische Schlüsselverben) + Sektion 30 (ehrerbietige Formen)
        • Nicht im Dokument enthalten (bewusst)

          • Tonalität, Lhasa-Aussprache — irrelevant für Lesen klassischer Texte
          • Sandhi-Regeln — kommen mit Übung
          • Postfinal-d (da drag) — alttibetisch, sehr selten
          • Sanskrit-Präfix-Übersetzungen — Spezialthema
          • Kalender-Details (Hor-Monate, Element-Tier-Zyklus) — gesonderte Quelle bei Bedarf

          Dokument konsolidiert aus: Vienna-Schiller-Lektionen 01–42, Praxis-Datei, Einfache-Erklärung-Datei und Verbliste-/Partikel-Recherche. Stand: April 2026.